Vom Spielplatz und dem Zutrauen und Zumuten

In meinen Beiträgen vom Loslassen *klick* und von der Aufmerksamkeit *klick* schrieb ich bereits über Themen, die mich als Mutter bewegen.

Immer wieder erlebe ich im Alltag Dinge, über die zu schreiben es mir ein Bedürfnis wäre, leider fehlt mir oft die Zeit dazu und manchmal ist es auch einfach nur schwierig, alles in Worte zu fassen, ohne vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen.

Ein Thema, über das ich immer wieder stolpere, ist die unterschiedliche Haltung und Wahrnehmung  von der Alltagsbewältigung unserer Kinder.

Als unser Erstgeborener sehr klein war, waren wir fast täglich auf dem Spielplatz, mittlerweile kommen wir durch unsere weiteren Tagesplanungen, wie Verabredungen, Vereine, Musik etc. eher in unregelmäßigen Abständen dazu.

Dort erlebe ich jedoch bis heute immer wieder die skurrilsten Situationen, die sich wie ein roter Faden durch sämtliche Eltern-Kind-Veranstaltungen ziehen.

Neulich war ich mit allen vier Kindern seit langem mal wieder dort. Ein weiteres Kind, etwa 1 1/2 war auch da und völlig fasziniert von dem Spiel der großen Kinder, es stand da und schaute zu.

Die Mutter begann, auf das Kind einzureden „Willst Du zur Schaukel?“ und trug es zur Schaukel, es krabbelte wieder runter. „Willst Du zu dem Feuerwehrauto?“ setzte es ins Auto, dort kletterte es auch wieder raus, immer wieder mit dem Blick zu den anderen Kindern. Und dann das (extralaut) „Du möchtest jetzt gerne auf die Wippe, stimmt’s, aber die ist leider besetzt, WIR müssen leider warten, bis das Kind fertig ist“. Dann folgte ein Hechtsprung (der Mutter!), als mein Kind abstieg. Doch ihr Kind weigerte sich, es wollte nicht auf die Wippe.

Es war so schade, dass diese Mutter es nicht zulassen konnte, dass ihr Kind einfach ‚in der Gegend rumstand und beobachtete‘ und stattdessen unablässig auf es einwirkte.

Es passiert so, so viel bei Kindern, wenn sie vermeintlich nichts tun, aber ich erlebe immer häufiger, dass Erwachsene genau diesen Zustand, dieses Innehalten einfach nicht mehr etragen können. Und um jeden Preis vermeiden möchten, dass das Kind in irgendeiner Form schlecht abschneiden könnte.

Eltern mischen sich in die Spielsituationen ihrer Kinder ein. Entschieden, wer zu welcher Zeit mit welcher Schippe spielen darf, sammeln Spielzeug zurück, mit dem sich andere Kinder gerade beschäftigen, regeln Unstimmigkeiten. Oft sind mehr Eltern im Sandkasten, als Kinder.  Sie sitzen selbst in den Rutschen oder besetzen die Schaukeln und tragen (!) ihre Kleinen von einem Spielgerät zum nächsten. Und am Ende beschweren sie sich, wie stressig es doch heute auf den Spielplätzen ist.

Ich könnte hier haufenweise Dialoge niederschreiben, aber ich denke, Ihr kennt sie alle, diese Situationen. Ihr lächelt darüber?

Vielleicht gehört Ihr selbst zu den Eltern, die schlecht ertragen können, wenn ihren Kindern mal etwas weggenommen wird, zu denen, die auch noch in der dritten Klasse Telefonate für Ihre Kinder führen, in denen sie von anderen Müttern verlangen, deren Kinder zu ändern, damit es dem eigenen wieder gut geht.

Nein, es sind natürlich immer die anderen, schrecklichen Eltern, mit ihren unsozialen Kindern.

Manchmal frage ich mich, warum Eltern von heute so wenig Vertrauen haben, in die sozialen Kompetenzen der Kinder bzw. darin, dass diese sich in dem Spiel, in der Interaktion mit anderen Kindern und Erwachsenen entwickeln werden und auch müssen. Vieles, was Eltern als negativ empfinden, ist es für die Kinder oft gar nicht, sondern total normal. Und falls nicht, müssen sie Strategien entwickeln, damit umzugehen.

Dann wieder stelle ich fest, dass viele dieser Eltern selbst ihrer eigenen Wahrnehmung, ihren eigenen Sinnen kaum noch Gewicht schenken. Vieles wird nur noch von außen gespiegelt. Warum gibt es so viele Eltern-Ratgeber zu Erziehungsthemen. Genau aus diesem Grund. In meinen Augen ist es oft das mangelnde Vertauen in sich selbst, in die eigene Intuition.

Ich bin nicht eine perfekte Mutter, ganz und gar nicht und ich strebe auch niemals Perfektion an. Ich freue mich über die Tage, die gut funktionieren und hinter die anderen mache ich einfach einen Haken.

Aber ich sehe meine Kinder an und mein Gefühl sagt mir, was ich ihnen heute zutrauen und zumuten, was ich zulassen kann. Und es sagt mir eben auch, dass ich ihnen (und auch mir) etwas Zumuten muss. Konflikte selbst zu lösen, auch mal Abstriche machen zu müssen, Kompromisse zu schließen oder einfach mal den Kürzeren zu ziehen, das gehört dazu.

Ich brauche dafür keine Verhaltensregeln, keinen Eltern-Führerschein, kein populärwissenschaftliches Fachbuch, nicht den Abgleich mit fünf weiteren Müttern, keinen Freibrief von den Erzieherinnen oder der Lehrerin.

Das Leben besteht nicht nur aus der Sonnenseite, nicht immer aus Mama-Papa-und Geschwistern. Wo viel Licht ist, ist auch immer Schatten, selbst in einem Kinderleben. Ich möchte meine Kinder begleiten, auch in Ihren Tiefen, sie stärken, Ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen.

Nur wenn ich Ihnen etwas Zutraue, trauen sie sich später selbst auch vieles zu.

Und ich möchte sie auf keinen Fall erlösen von etwas, das für ihre Entwicklung unabdingbar ist:

die Frustration.

 

In diesem Sinne Eure

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4 thoughts on “Vom Spielplatz und dem Zutrauen und Zumuten

  1. Ach, komm Du hast ja auch 4 Kinder ☺ Ich glaub, wenn man nur ein Kind hat, mischt man sich halt schneller ein etc. Bei vieren geht es einfach nicht, die müssen halt auch ihr Ding machen (und wer mit 3 Geschwister gross wird, kann der Frustation auch nicht entgehen ☺)

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